Die Einleitung zu Lady Gagas Clip „Born this Way“ könnte in ihrem Schöpfungspathos von Mathew Barney sein: Gaga-Gaia gebiert das Gute und das Böse, beides wird mit viel Glibber zur Welt gebracht. Auf der einen Seite eine „new race, which bears no prejudice, no judgment, but boundless freedom“ auf der anderen das Böse mit viel Maschinengewehrgeknatter im Ledergewändchen.
Der darauf folgende Song übersetzt dann die Theorie der Gotteskindschaft in Alltagssprache. „Don’t be a drag, be a queen“: Er ermutigt dazu die eigene Identität als selbstverständlich zu akzeptieren, sei man nun bi, gay, transgender, behindert oder libanesisch. Damit schliddert der Clip einerseits hart an der Banalitätsschmerzgrenze entlang - und enttäuscht die theorieaffine Community im Netz eher. Denn hier gibt’s nichts mehr aufzuschlüsseln, das ist nur platt: Aber wird Pop nicht eben genau dann politisch, wenn er es schafft, die Banalitäten apokrypher politischer Forderungen in den Mainstream einzuschleusen? Oder wann hat Britney Spears zum letzten Mal gesagt, dass Transsexuelle schon ok seien?
Mittwoch, 23. März 2011
Freitag, 18. März 2011
Hayeks Graphic Novel

Friedrich von Hayeks „Road to Serfdom“ soll die Lieblingsbettlektüre von Maggie Thatcher gewesen sein. Doch wozu ganze Abende für Hunderte von Seiten verschwenden: Hayeks Klassiker gibt es unlängst auch als Graphic Novel. Nur kurze Zeit nach der Publikation des Originals wurde Hayeks Botschaft mit Cartoons illustriert im Look Magazine 1945 publiziert. Wenig später verteilte es General Motors (die Autofirma, die der Staat letzthin...ja genau) als Informationsbroschüre. In wenigen Bildern und Sätzen wird im dünnen Bändchen erläutert, warum jede Form von staatlicher Wirtschaftsplanung immer sofort zu faschistischen Führerstaaten führt, in denen Uniformierte deine Golfschläger kaputtmachen und dich zur Gymnastik zwingen.
Über die damalige Verteilung der Broschüre konnte ich leider wenig herausfinden. Doch die verknappte Botschaft Hayeks hallt noch immer nach, der Cartoon führt ein unheimliches Leben auf den Homepages amerikanischer „Liberaler“. Die Tea-Party wurde letzthin in der „Süddeutschen Zeitung“ „Süddeutschen Zeitung“ nicht zu Unrecht als die „wilden Schüler Hayeks“ beschrieben. Dass man Obama auf Grund seiner Gesundheitsreform regelmäßig mit Hitler vergleicht, findet seine krude Logik in einem Pop-Neoliberalismus wie es jene Bändchen von Hayek verbreitet, indem es jeden staatlichen Eingriff als Vorstufe zur grossen Übernahme darstellt.
Montag, 7. März 2011
Tiere II: Spekulative Zoologie

Spätestens mit der Ökobewegung am Ende des 20. Jahrhundert hat sich die Geschichte der Erlösung verändert: Das nur tierisch bewohnte Paradies war nicht mehr nur ein prä- sondern vor allem auch ein posthumaner Zustand. Der Mensch erschien als Parasit,, der seine eigene Existenzgrundlage gekonnt zerstörte. Doch, so die letzte Hoffnung, es sollte ihm nicht gelingen, „die Natur“ an sich und ihre eigene Geschichte aufzuhalten. Die menschliche Apokalypse sollte eine Befreiung der Natur sein. In „28 days later“, einem Zombiefilm in dem die Seuche „Wut“ die ganze Menschheit befällt, meint ein Tierbefreiungsaktivist: „Humans only have been arround for a few blinks of an eye. So if the infection wipes us all out, that is a return to normality.“ Die kommende Selbstauslöschung der Menschheit wird als eine Rückkehr zur Normalität, einem Wiedereintritt der Erde in den richtigen Verlauf der Natur-Geschichte beschrieben: Das kommende Reich findet ohne die Menschheit statt.
Die wohl witzigste Antwort auf dieses stark von Selbsthass getragene Wunschszenario findet sich meiner Ansicht nach bei den spekulativen Evolutionsbiologen. Die ersehnte bedrohliche Rückkehr der Erde zur evolutionären „Normalität“ eröffnet ihnen einen sehr menschlichen Imaginationsraum. Sie sind getrieben von der Frage, wie sich die Fauna unseres Planeten verändern wird, wenn man sie wieder sich selbst überlässt.
Was die Herren Wissenschaftler sich dabei ausmalen, lässt die Mutationsphantasien des Kalten Krieges wie lahme Gute-Nacht-Geschichten aussehen. So präsentierte Dougal Dixon 1981 mit „After Man. A Zoology of the future“ ein wunderbares Buch, in dem die Innovationskraft der Natur gefeiert wird. Unverhohlen wird hier das Ende der Menschheit als Befreiung der biologischen Formen gefeiert und dargestellt. In der BBC-Dokufiction-Produktion "The future is wild" von 2003 führen Dougal und andere Wissenschaftler dieses Projekt mit den Techniken des Animationsfilms weiter: Imaginiert wird eine Welt in der kommende klimatische und tektonische Veränderungen eine ganz neue Tierwelt hervorbringen. Die erstarrten Artentabellen der Biologie verwandeln sich in einen darwinistischen Zeichentrickfilm, überall herrscht munteres Werden und Wachsen. Verzückte Wissenschaftler mit Fliege erzählen darüber, wie Tierarten im Verlauf der Jahrmillionen alte Körpereigenschaften „aufgeben“ und neue „entwickeln“: Es scheint, als würden tierische Körper fröhlich Glieder ein- und ausstülpen lassen, je nach dem, welchen Anforderungen sie gerade ausgeliefert sind. Natürlich liesse sich diese bunte Erzählung vom agilen Paradies einerseits als Fabel über die gewünschte Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt lesen, doch das lassen wir jetzt mal, dafür ist es einfach zu toll anzusehen!
Freitag, 4. März 2011
Tiere I: Apkalyptische Ameisen
Es gibt ein sich stets wiederkehrende Denk- und Darstellungsmuster, das ich die „Hoffnung der Kleinen“ nennen möchte. Nietzsche hat in die „Genealogie der Moral“ ausreichend darüber geschrieben. Die schwachen Unterdrückten finden ihren Sieg, in dem sie den selbstverschuldeten Niedergang der grossen Bösen schlicht überleben. Diese Konstellation lässt sich sowohl im Film „Quo vadis“ wiederfinden, wo die verfolgten Christen in ihren Katakomben letztlich nur händereibend auf den Zerfall des Römischen Reichs warten. Oder in allen guten Kinderbüchern über Dinosaurier: Die kleinen Säugetiere, mäuseähnliche Viecher sehen im Verborgenen zu, wie die grossen, und seien wir ehrlich: dekadenten Dinosaurier im Meteorengewitter ihren gerechten Tod sterben und der neunmalkluge Dreikäsehoch, der das Bild betrachtet, weiss: Sie, die Ratten, werden überleben, gerade weil sie nicht gross und stark sind.
Zugleich erinnere ich mich, dass ich damals in den 1980er Jahren gewusst habe, dass im Falle eines Atomkrieges nur Insekten überleben würden: Die kahle, graue Erde würde nur noch bekrabbelt werden, die nächste Zivilisation würde die der Insekten sein. Im Katastrophenfilm "The day after" von 1983, der das Szenario eines H-Bombenabwurf über den USA durchspielt, werden Kakerlakenstatisten von einem der Hauptdarsteller zynisch als die nächsten Herrscher der Erde begrüsst.
Zurück geht diese Ernennung der Insekten zu den Königen von Doomsday auf Strahlentests, die man bald nach Hiroshima mit so ziemlich ALLEM angestellt hatte. Dabei zeigte sich, das eben Küchenschaben extrem viel Strahlung vertrugen. Ausgewiesene Myrmekologen machen allerdings drauf aufmerksam, dass das für Ameisen nicht zutrifft. Trotzdem war die strahlenmedizische Annahme weit verbreitet, die Ameisen würden die post-humanoide Herrschaft antreten: Als staatenbildende Wesen fungierten sie, wie die Bienen, der menschlichen Imagination schon vor 1945 als Spiegel und zivilisatorisches Äquivalent (vgl. Rieger/Bühler: Das Über-Tier) der Menschheit. So fürchten sich die Myrmekologen im Horrorfilm „Them!“ von 1954 vor einer Versklavung der Menschheit durch zu Einfamilienhausgrösse mutierten Ameisen. Und die „Flintstones“-Macher zeigen mit
„Atom-Ant“ 1967/68 eine Ameise, die durch Bestrahlung extrem stark geworden ist. Das Kleine ist das, was folgen wird auf die selbstverschuldete Vernichtung: Im Song "Das Insekt" der deutschen New Wave-Band „Der Plan“ wird dieses kollektive Wissen noch einmal mehr überhöht endgültig zur messianischen Hymne:
Wer ist gerufen, wenn der Mensch verreckt?
Wer ist gerufen, wenn der Mensch verreckt?
Das Insekt, das Insekt! Das Insekt, das Insekt!
Wer ist der Retter und lebt ganz versteckt?
Wer ist der Retter und lebt ganz versteckt?
Das Insekt, das Insekt! Das Insekt, das Insekt!
Wer macht das Paradies auf Erden perfekt?
Wer macht das Paradies auf Erden perfekt?
Das Insekt, das Insekt! Das Insekt, das Insekt!
Zugleich erinnere ich mich, dass ich damals in den 1980er Jahren gewusst habe, dass im Falle eines Atomkrieges nur Insekten überleben würden: Die kahle, graue Erde würde nur noch bekrabbelt werden, die nächste Zivilisation würde die der Insekten sein. Im Katastrophenfilm "The day after" von 1983, der das Szenario eines H-Bombenabwurf über den USA durchspielt, werden Kakerlakenstatisten von einem der Hauptdarsteller zynisch als die nächsten Herrscher der Erde begrüsst.
Zurück geht diese Ernennung der Insekten zu den Königen von Doomsday auf Strahlentests, die man bald nach Hiroshima mit so ziemlich ALLEM angestellt hatte. Dabei zeigte sich, das eben Küchenschaben extrem viel Strahlung vertrugen. Ausgewiesene Myrmekologen machen allerdings drauf aufmerksam, dass das für Ameisen nicht zutrifft. Trotzdem war die strahlenmedizische Annahme weit verbreitet, die Ameisen würden die post-humanoide Herrschaft antreten: Als staatenbildende Wesen fungierten sie, wie die Bienen, der menschlichen Imagination schon vor 1945 als Spiegel und zivilisatorisches Äquivalent (vgl. Rieger/Bühler: Das Über-Tier) der Menschheit. So fürchten sich die Myrmekologen im Horrorfilm „Them!“ von 1954 vor einer Versklavung der Menschheit durch zu Einfamilienhausgrösse mutierten Ameisen. Und die „Flintstones“-Macher zeigen mit
„Atom-Ant“ 1967/68 eine Ameise, die durch Bestrahlung extrem stark geworden ist. Das Kleine ist das, was folgen wird auf die selbstverschuldete Vernichtung: Im Song "Das Insekt" der deutschen New Wave-Band „Der Plan“ wird dieses kollektive Wissen noch einmal mehr überhöht endgültig zur messianischen Hymne:
Wer ist gerufen, wenn der Mensch verreckt?
Wer ist gerufen, wenn der Mensch verreckt?
Das Insekt, das Insekt! Das Insekt, das Insekt!
Wer ist der Retter und lebt ganz versteckt?
Wer ist der Retter und lebt ganz versteckt?
Das Insekt, das Insekt! Das Insekt, das Insekt!
Wer macht das Paradies auf Erden perfekt?
Wer macht das Paradies auf Erden perfekt?
Das Insekt, das Insekt! Das Insekt, das Insekt!
Dienstag, 21. Dezember 2010
Papiergeld ist nichts wert
Ich erinnere mich lebhaft an einen Film im Kinderprogramm der 1990er Jahre. Darin ging es um den Zusammenschluss von Berliner Kindern zu einer klandestinen Untergrundorganisation oder so einer paramilitärischen Detektivorganisation, wie sie Erich Kästner beschrieben hat. Was mir jedoch am meisten Eindruck gemacht hat, war, dass der Junge, der die Hauptrolle spielte, immer mit einem Wäschezuber voller Geld Brot kaufen gehen musste. Und Kuchen gabs keinen, der hätte nämlich einen Lastwagen voller Geld gekostet. Und einen Lastwagen hatten sie nicht. - So war die Wirtschaftskrise von 1929, alles Geld plötzlich nur Papier. Davor haben heute viele Leute wieder Angst. Vor allem auch reiche Leute. Ist doch klar: Wer viel Geld hat, der verliert in der Krise, wo der Wert vom Papier rutscht, auch am meisten. Was tut man, wenn man Angst hat, und dringend was gegen die Angst braucht? Klar, man rennt zum Automaten und kauft sich da z.B. einen Schwangerschaftstest. Gut, gibt es jetzt auch Automaten, für Menschen mit Angst vor Geldwertzerfall. Denn es gibt etwas, das seinen Wert nie verliert: Gold. Und deswegen gibts jetzt Goldautomaten. Vielleicht schon bald um die Ecke an Ihrem Gold-to-Go-Automaten.
http://www.gold-to-go.com//
http://www.gold-to-go.com//
Freitag, 10. Dezember 2010
Muzak – Der Sound des Fordismus

1929 begann Henry Ford mit der Produktion seines T-Modells, dem ersten massenhaft hergestellten Auto. In der neuen Fliessbandproduktion beschränkte sich die Arbeit der Autobauer auf einen einzelnen Arbeitsschritt. So sahen die Arbeiter am Fliessband zwar vor lauter Einzelteilchen das Auto nicht mehr, dafür ermöglichte es die Massenproduktion, Autos so billig zu verkaufen, dass es sogar für die Arbeiter möglich war, vom Besitz eines solchen Wagens zumindest zu träumen. Dieser Kompensationskreislauf wurde später, von Marxisten „Fordismus“ genannt. Andere sahen das etwas anders und nannten diese Form der Bedarfsregulierung "Wohlstand für alle". Wie auch immer: Verrichter regulierter Arbeitsabläufe konnten sich zu abertausenden hergestellte, gleichförmige Produkte leisten, die so genannte Konsumgesellschaft nahm ihren Anfang.
Während Huxley gerade "Brave New World" fertig schrieb, gründete ein Mann namens D. George Owen 1934 Squier die die Muzak Holdings LLC 1934. Der Nachrichtenkorpsgeneral Squier bot als erster „Wired Radio“ für Kaufhäuser und andere Orte des Verkaufs an. Man versprach, ab den 1950er Jahren auch wissenschaftlich untermauert, eine Beförderung des Kaufwillens der Bevölkerung durch Musik. Bald schon produzierte Muzak eigene Musik zur Konsumförderung, ganze Big Bands spielten den gedämpften, zurückhaltend anteibenden Sound des Fordismus für die Firma. Ab den 1950er Jahren wurde Muzak zunehmend auch als harmonisierende Hintergrundskulisse in Grossraumbüros gebraucht. Präsident Eisenhower soll ein bekennender Fan von Muzak gewesen sein: Ab 1953 war Muzak auch im Weissen Haus angelangt. Ab dem 1970er geriet das Muzak-Konzept in die Krise: Die Ära des Massenkonsum war vorüber. So wie die Leute nach distinkten Waren für ihre distinkten Leben verlangten, so hatte sich auch die Warenhausmusik subkulturell zu diversifizieren. Dennoch hat es Muzak Holdings LLC bis zum 75 Jahr Jubiläum geschafft. Und eine Werbehomepage kreiert, die ich sehr empfehlen möchte:
http://75.muzak.com/
Freitag, 8. Oktober 2010
Paranoide Semantik II: Subliminale Werbung

Zum ersten Mal von subliminalen Botschaften erfahren habe ich im Kirchengemeindehaus von M. In der Ecke für Beratungsliteratur stand ein Buch mit Vorwort von Cliff Richard, das sowohl sämtliche namhaften Songtexte satanistischer Natur fein säuberlich übersetzt enthielt, als auch minutiöse Verweise auf harmlosere Rocksongs, die, liess man sie rückwärts laufen, erkennen ließen, dass hier Botschaften rückwärts aufgenommen worden waren, die Jugendliche bestenfalls geheime Informationen („Paul is dead“) geben sollten, oder (schlecht) Anweisungen wie sie ihre Eltern oder sich selbst massakrieren sollten. Durch diffundiertes Kinderwissen wusste ich, dass „Judas Priest“, eine Metall-Band, angeblich durch solche Techniken in den USA bereits zwei Jugendliche getötet hatten, was meinen Nachbarsjungen ebenfalls dazu veranlasste, mir das Lied „Better By You, Better Than Me“, in dem die angebliche Aufforderung zum Selbstmord („Do it!“) enthalten war, mehrere Male vorzuspielen. Es hat nicht gewirkt.
Seinen Ursprung hat die Vorstellung, man könne mit untergejubelten Botschaften Menschen zu Aktionen bewegen, nicht in den Köpfen von besorgten Eltern aus der Provinz, sondern in der Werbebranche.Glaubt man den Erfindern des subliminal advertising um James Vicary, wurde die Methode in einem Kino in der Nähe New Yorks, im Lee Theatre, zum ersten Mal getestet. Hier wurde zum ersten Mal getestet, wie Kinozuschauer auf kurze Einspielungen („oft nur 1/3000 einer Sekunde“) reagierten: So wurden Imperative eingeblendet, der wohl bekannte Slogan, ja DER Slogan überhaupt: „Drink Coca Cola“ und „Eat Pop-Corn“. In der daruaf folgenden Pause sei der Cola-Konsum um 53%, der Pop-Corn Konsum um 18% angestiegen. Ob ersterer mit letzterem in Bezug stand, ist nicht ermittelt worden. Durch ein „Leck“ wurde die Story an die Presse weitergeleitet und im LIFE-magazine darüber berichtet. Sehr späte Ehre fand die von da an weit verbreitete Vorstellung subliminaler Massenlenkung dann im Science-Fiction-Film „They live!“ von Carpenter, der auf einer Short Story von 1963 beruht.
Die Öffentlichkeit in den USA war 1957 dadurch traumatisiert worden, dass 21 GIs sich nach dem Koreakrieg dafür entschieden hatten, nach ihrer Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft im kommunistischen Teil der Erde zu bleiben: Eine Entscheidung die, so die landläufige Meinung, nur durch maliziöse, asiatische Hirnwäschetechniken erzeugt hatte werden können. Das nun die Werber zu ähnlichen Techniken griffen, empörte die Öffentlichkeit. Die Grenzen zwischen dem feindlichen kommunistisch-asiatischen Regime und den Techniken des Marktes verwischten sich hier für kurze Zeit, die Feindstellungen wurden unklar, bedrohlich: Vicary, der sich anfänglich noch stolz als Erfinder der Methode geoutet hatte, musste seine Telefonnummer wechseln und umziehen, um nicht vom McCarthyistischen Volkszorn zerquetscht zu werden.
Demonstrieren lässt sich die potentielle Lächerlichkeit dieser „Werbekritik“ am Oeuvre von Professor Wilson Bryan Key. Wer das Kinderspiel kennt, in Strukturen an einer Holzwand Gesichter zu sehen, wer schon einmal in den Wolke ein Tier gesehen hat, kennt Professor Key Methodik: Keys Schlüssel zu subliminalen Boschaften ist die entspannte Betrachtung von Werbungen, die so lange andauern soll, bis man etwas sieht. Und der Mann und seine Studenten sahen in den 70er Jahren vor allem eines: Das Wort SEX: In beinahe jeder politischen Kampagne seit den 50er Jahren seien „SEX embeddings“ vorgenommen worden. In den mehreren tausenden Zeitungen, die er durchgesehen habe, tauche SEX dauernd auf, ab und zu auch CUNT und FUCK. Doch nicht nur in Werbungen, auch in Berichten über Vietnam ist, schaut man nur genau genug hin, das Wort Sex zu entdecken, und, wenn man noch genauer schaut, auch auf RITZ-Crackers:
„Take half a dozen crackers out of the box and line them up on the table, face upward. Now relax, and let your eyes linger on every cracker - one at a time. Do not strain to see the surface, however. Usually in about ten seconds, you will perceive the message. Embedded on both sides of each cracker is a mosaic of SEXes. (see Figure 4)“

Die Debatte um subliminale Werbung ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich paranoide, mit Leichtigkeit vom Tisch zu wischende Vorstellungen im öffentlichen Bewusstsein festmachen, während subtilere Kritik an Wettbewerbsmechanismen – und techniken keinerlei Aufmerksamkeit erlangt. Die Methoden kamen zwar nie wirklich zur Anwendung, ihre Wirksamkeit ist auch mehr als umstritten. Sie diente der Werbebranche allerdings bereits früh als legitimatorische Kontrastfolie, also als Phantasma, an dem die Lächerlichkeit der Kritik an den persuasiven Effekten von Werbung aufzeigbar waren. So reagierte Chevrolet bereits 1959 in einem Werbespot auf die Vorstellung, Werbung bediene sich subliminaler Techniken, indem sie den „new way to send a message“ offen lächerlich machte:
http://www.youtube.com/watch?v=d61OiNipR9c&feature=related
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